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Colorierte Flash-Animation, Foto um etwa 1930 (© Fotosammlung Barz/Berg, aus dem Nachlaß Peter Berg)

Zeche Oberhausen, Rheinland

Die Zeche Oberhausen war ein Oberhausener Steinkohlenbergwerk im Grubenfeld Oberhausen, das aus den konsolidierten Feldern Oberhausen, Constantia, Komet-Erweiterung, Neu-Sterkrade II, Sterkrade II-VIII, Hoffnung II, Dinslaken I-II, Königshaardt I-II, Haardt IV, Bottrop I-VII bestand und nördlich mit Hiesfeld I und II, Nordlicht I und Vorwärts, westlich mit Deutscher Kaiser, südlich mit Concordia, Roland, sowie östlich mit Prosper und König Wilhelm markscheidete.


Das von Franz Haniel 1847 erschlossene Bergwerk war die erste Hüttenzeche des Ruhrreviers und trug ursprünglich den Namen "Königsberg", bevor es 1858 nach dem nahegelegenen Schloß in "Zeche Oberhausen" umbenannt wurde.



Coloriertes Foto der Zeche um 1860.
(© Wilhelm Otto, Duüsseldorf, Fotosammlung Barz/Berg)


Die Gründer waren: Franz Brockhoff aus Essen (Mutung Vorzug),Wilhelm Grillo aus Neumühl (Mutung Neue Hoffnung), Robert Klewitz aus Mühlheim (Mutung Julius)und Julius Berghaus aus Mühlheim (Mutung Glückauf). 1848 erfolgte die Konsolidierung der vier Felder zur Gewerkschaft Königsberg. Die vier Gründer konnten die erforderlichen Mittel für die Erschließung schließlich nicht aufbringen. Im Jahre 1850 wurden die Anteile verkauft an: Daniel Morian aus Neumühl (Mutung Vorzug und Glückauf), Heinrich Dickmann aus Oberhausen (Mutung Julius), Ferdinand Wilhelmi aus Essen (Mutung Neue Hoffnung). Die geplante Gründung einer AG (Kohlenbergbau Aktiengesellschaft Königsberg) scheiterte 1851, da nicht alle Aktien gezeichnet worden sind. Folglich verkauften die Gewerken alle 1853 an Daniel Morian, der noch im gleichen Jahr das Bergwerk an Franz Haniel verkaufte. Letzterer brachte es dann in die Hüttengewerkschaft Jacobi, Haniel & Hyussen (JHH), der späteren Gutenhoffnungshütte (GHH) ein.

Ansicht der Hauptfassade

Ansicht der Hauptfassade der Zeche Oberhausen
(© Königlichem Oberberg- und Baurathe Schönfelder: Die baulichen Anlagen
auf den Berg-, Hütten- und Salinenwerken in Preußen, Berlin 1861)

Der Erwerb der Konzession Königsberg ermöglichte es der GHH, um 1850 mit der Planung eines neuen Hochofenwerkes beschäftigt, eine Zeche räumlich direkt an eine Hütte anzubinden und die Versorgung mit Kohle und Koks sicherzustellen.

Die GHH hatte für die Errichtung des Bergwerkes ein Grundstück östlich der Hütte Neu Essen gewählt, das verkehrsgünstig direkt an der 1847 fertig gestellten Cöln-Mindener Eisenbahn an der Essener Straße lag. Geplant wurde das Bergwerk als Doppelschachtanlage, nicht nur um eine Konzentration des Betriebes zu ermöglichen sondern auch um bei Störungen im Schacht dennoch mit dem anderen Schacht weiterfördern zu können und die Wasserhaltung sicherzustellen. Die Doppelschachtanlage Zeche Oberhausen wurde bald in der zeitgenössischen Literatur als modernste und innovativste Schachtanlage gelobt.


Lageplan der Zeche Oberhausen von 1877 (entnommen aus: Dr. Walter Buschmann: Zechen und Kokereien im rheinischen Steinkohlen-revier, Aachener Revier und westliches Ruhrgebiet. Gebr. Mann Verlag Berlin 1998)

Die Abteufarbeiten für Schacht Königsberg 1 begannen am 1. Mai 1854. In 30 Lachter (= 62,7 m) Entfernung wurde ab 1. September 1855 damit begonnen Schacht 2 niederzubringen. Die Schachtdurchmesser beider Schächte betrugen 6 Meter. Die gut durchplante, symmetrische Doppelmalakowanlage bestand aus zwei sechsgeschossigen Türmen, Mitteltrakt und rückwärtigen Flügelbauten, in denen hauptsächlich die Maschinen untergebracht waren.

Im rückwärtigen Flügelbau des Schachtes I war eine Woolfsche Balancier-Dampfmaschine mit stehendem 40-Zoll-Zylinder (1,04 m) für Förderung und Wasserhaltung aufgestellt. Die Dampfmaschine trieb eine Seiltrommel an und konnte auch bei Bedarf mittels Kunstkreuz und Krummzapfen auf Gestängewasserhaltung umgeschaltet werden. Pro Minute konnten so 2 cbm Grubenwasser zu Tage gepumpt werden.

Nach 1900 wurde die Woolfsche Balancier-Dampfmaschine nur noch in Reserve gehalten und die Wasserhaltung erledigten nun zwei unterirdisch elektrisch betriebene Turbo-Wasserhaltungen für je 3 cbm/Min.

Auch am Schacht 2 befanden sich zwei Maschinensätze: im rückwärtigen Flügel eine Wasserhaltungsmaschine mit 250 PS (Zylinderdurchmesser 80 Zoll = 2,08 m) und im Mitteltrakt eine 150PS starke Fördermaschine (40 Zoll = 1,04 m).

Im Mitteltrakt stand eine 30 PS starke Dampfmaschine für die Fahrkunst in Schacht 2. Es handelte sich dabei um eine einstängige Fahrkunst, wo die Bergleute nach jedem Hub im Schacht auf feststehende Ruhebühnen umsteigen mußten. Die Ruhebühnen waren untereinander durch schräg stehende Fahrten verbunden. Die Fahrkunst wurde von einem mächtigen Balancier in Bewegung gesetzt, der sein Auflager auf der besonders stark ausgebildeten Trennwand zwischen Turm und Mitteltrakt hatte.

In den Seitenflügeln neben dem Schacht 1 befand sich die Schmiede und neben dem Schacht 2 gab es Wohnungen für Zechenangestellte. Direkt an die Rückseite des Mitteltraktes angrenzend erstreckte sich das zweiteilige Kesselhaus für zwölf Cornwall-Kessel. Das sind Flammrohrkessel, deren Kessel der Länge nach mit Rohren durchzogen sind, durch welche die Feuergase streichen. Cornwallkessel verfügen über eine Feuerung im Innern der Flammrohre (Innenfeuerung) und haben nur ein Flammrohr.


schematische Zeichnung eines Cornwall-Kessel (Einflammrohrkessel) mit Steinkohleninnenfeuerung (entnommen aus: Brockhaus' Kleines Konversations-Lexikon 1911)


Colorierte Ansicht der Zeche Oberhausen, etwa 1905. Der Malakowturm über Schacht 2 ist in der Zeit von 1898 bis 1901 durch ein eisernes Fördergerüst für 2 Förderungen überbaut worden. Die Streben führten durch die Süd- und Nordmauern des Turmes. (© Fotosammlung Barz/Berg)

Im Jahre 1858 waren 370 Bergleute auf Zeche Oberhausen angelegt, die eine Förderung von 71.612 preußischen Tonnen Steinkohle erbrachten. Im Jahr 1865 war die Belegschaft auf 913 Bergleute angewachsen und es wurde über 254.000 Tonnen Steinkohle gefördert. Zwanzig Jahre später waren 1357 Bergleute mit der Hereingewinnung von Steinkohle beschäftigt, die Förderung betrug 460.336 Tonnen. Zu diesem Zeitpunkt konnte der gesamte Kohlebedarf der GHH aus eigener Förderung gedeckt werden.

In den Streben wurden die Kohlen hauptsächlich mit der Keilhaue oder durch Sprengarbeit hereingewonnen, da die Flöze stark geneigt waren. In einigen Abbaubetrieben wurden ab den 1890er Jahren bereits schon Stangenschrämmaschinen für die Gewinnung genutzt. Ab 1906 kamen Schüttelrutschen für die Kohlenabfuhr von den Abbaubetrieben zum Einsatz. Batteriegetriebene Grubenloks übernahmen den Transport in den Hauptstrecken und ersetzten nach und nach die 1861 eingeführte Pferdeförderung. Neben der Pferdeförderung zogen auch Schlepper die kohlenbeladenen Förderwagen von den Gewinnungsbetrieben zum Füllort, insbesondere in Nebenstrecken.

In den Malakowtürmen verließen die Förderwagen die Förderkörbe nicht auf Rasenhängebankniveau, sondern von einer 14,5 Fuß (= 4,5 m) über Terrainhöhe gelegenen Hängebank. Gefördert wurde mit Förderkörben, auf denen jeweils zwei Wagen nebeneinander Platz hatten. Da die Förderschächte mit Wasserhaltungs- beziehungsweise Fahrkunstschächten zusammenlagen, konnten die leeren Wagen von hinten nicht aufgeschoben werden, sondern mußten von der selben Seite aufgestoßen werden, an welcher die vollen Wagen abgezogen wurden. Von der Hängebank wurden die Kohlen über eine ebenfalls 4,50m hohe aufgeständerte Förderbahn über die Knappenstraße und Cöln-Mindener-Eisenbahn hinweg zu einer Verladeanlage mit Separation gebracht. Später wurde der Platz von dem Werk selbst benötigt, da Umbauten und Vergrößerungen des Walzwerkes anstanden. Die Aufbereitung mußte dann verlegt werden. Die geförderte Kohle wurde einer trockenen Separation zugeführt, in dem sie auf Klassiersiebe gestürzt und so in drei verschiedene Korngrößen sortiert wurde. Die größeren Korngrößen gingen an die Walzwerke des Unternehmens oder in den Handel und die feinste Korngröße, 10 mm bis 0 mm, wurde an die Kokerei des Hochofenwerkes geliefert, da die Zeche Oberhausen nie eine eigene Kokerei besaß.


Arbeiten mit der Keilhaue
(© Privatsammlung Barz/Berg)


Ansicht der Kokerei auf der Eisenhütte 1, etwa um 1900.
(© Ansichtskartensammlung Barz/Berg)

Die gewonnene Kokskohle wurde anfangs auf dem Hüttenwerk selbst, und zwar auf dem ältesten Teil der Hütte, der 1854 erstandenen "Eisenhütte 1", verkokt. Mit Ausbau der Hütte stieg der Koksbedarf stetig an und man begann recht bald die Koksproduktion auf die umliegenden Hüttenzechen auszuweiten. Im Jahre 1873 waren auf Osterfeld 120 Öfen in Betrieb und Kokerei Vondern stellte 1906 den ersten Koks her. Nach der Jahrhundertwende war schon überlegt worden den Koks ausschließlich auf den umliegenden Zechen Sterkrade, Osterfeld und Vondern zu produzieren, da der Raum auf der Eisenhütte für hüttenbezogene Anlagen benötigt wurde. Zu dieser Zeit befanden sich auf der Zeche Sterkrade 2 Batterien mit 60 Unterbrenneröfen für 570 t Koks täglich und eine Nebenproduktgewinnung im Einsatz. Auf der Zeche Osterfeld wurden täglich etwa 1130 t Koks in 98 Abhitze- und 107 Regenerativöfen mit KWA und 60 Flammöfen hergestellt. Auch die Zeche Vondern verfügte über 2 Batterien von Dr. Otto Regenerativöfen von 1907 und 1909 mit 580 - 600 tato und einer angeschlossenen KWA. Auf der "Eisenhütte 1" war die Kokerei schon auf 4 Batterien mit insgesamt 264 Öfen reduziert worden.

Anfang der 1870er Jahre begannen die Planungen für ein zweites GHH-Bergwerk und am 16. August 1873 konnten die Vorbereitungen für die Teufarbeiten aufgenommen werden. Am 16. April 1874 zerstörte ein Wassereinbruch in 34,5 m Teufe den Grubenbau vollständig worauf 56 m westlich ein neuer Schacht projektiert wurde und am 28. April 1874 schon die neuen Teufarbeiten begannen. Am 3. Oktober 1879 konnte die erste Kohle aus 377 m auf der Zeche Osterfeld gefördert werden.

Die Schächte der Zeche Oberhausen wurden mehrfach in kurzen Zeitabständen während laufendem Förderbetrieb tiefergeteuft. Schacht 2 wurde zum erstenmal im Jahr 1862 tiefergeteuft und bei einer Teufe von 293 Metern die 3. Sohle angesetzt. Bereits 20 Jahre später wurde bei einer Teufe von 429 Metern die 5. Sohle angesetzt. Auch Schacht 1 war bis 1894 zur 5. Sohle abgeteuft worden und nur 4 Jahre später wurde in 608 Metern Teufe die 7. Sohle angesetzt. Innerhalb von 40 Jahren vergrößerte sich die Gewinnungsteufe von anfänglich 180 m Teufe auf über 600 m. Gleichzeitig entfernten sich die Abbaubetriebe immer weiter von den beiden, eng beieinanderliegenden Schächten und verteilten sich darüber hinaus noch auf mehrere Sohlen und Flöze. Die Schwierigkeiten, für eine ausreichende Bewetterung zu sorgen wurden immer größer, die Trennung der Frischwetter von den Abwettern bei dem Betriebszuschnitt war fast unmöglich. So kam es mehrfach zu Schlagwetterexplosionen, so in der Jahren 1885, 1891, 1892, 1903 und1912. Sie kosteten mehreren Bergarbeitern das Leben.


Colorierte Ansichtskarte der Zeche Oberhausen, etwa 1905
(© Foto: Anton Witzler, Ansichtskartensammlung Barz/Berg)


Colorierte Ansicht des Wetterschachtes Kattendahl, etwa 1910 (Fotosammlung Barz/Berg, aus dem Nachlaß Peter Berg)


Um 1890 sorgten zwei Guibal-Grubenventilatoren für Frischwetter. Im Jahre 1908 wurden sie durch drei Kley-Ventilatoren mit einer Gesamtleistung von 13.000 cbm in der Minute ersetzt. 2 Ventilatoren von Kley hatten eine Leistung von 5000cbm/ Min und 450PS, der dritte 3000 cbm/ Min und 200 PS. Die notwendige elektrische Energie lieferte das Ringnetz des Hüttenwerkes und es gab auf der Zeche eine eigene Abdampfturbine von 2000 kW.

Um das Bewetterungsproblem in den Griff zu bekommen begann man im Jahr 1898 mit den Teufarbeiten für einen Wetterschacht. Der Schachtansatzpunkt für den "Schacht 3" benannten Wetterschacht befand sich in Vonderort. Im Jahre 1902 konnte bei einer Teufe von 411 Metern (- 372 m NN) die 3. Sohle angesetzt. Da bei den Teufarbeiten mehrere bauwürdige Flöze durchörtert wurden, beschloß der Vorstand der GHH, den Wetterschacht 3 zu einer eigenständigen Schachtanlage, der Zeche Vondern auszubauen.

Da mit der Zeche Vondern sich das Bewetterungsproblem nicht lösen ließ, wurde im Jahr 1903 begonnen, einen weiteren Wetterschacht abzuteufen. Dieser Schacht, wiederum Schacht 3 genannt, wurde im Südfeld der Berechtsame in Essen-Fintrop an der Straße Kattendahl angesetzt. Im Jahr 1904 konnte bei einer Teufe von 150 Metern die 1. Sohle angefahren werden und die 2. Sohle bereits 1906 bei 265 Metern. Der Schacht hatte einen Durchmesser von 4,5 Metern, verfügte über eine Trommel-Fördermaschine und diente in erster Linie als Wetterschacht für die Magerkohlenpartie.


Umbau um die Jahrhundertwende.

Die massiven Fördertürme aus Mauerwerk waren, insbesondere bei immer größeren Teufen, sehr starken Beanspruchungen ausgesetzt was zu hohen Instandhaltungskosten führte. Daher beschloß man die Statik des Malakowturmes auf Schacht 2 zu verstärken indem man im Jahre 1901 ein stählernes Strebengerüst für zwei Förderungen in den Turm einzog. Die Fördermaschine wurde ausgetauscht, es wurde eine Trommelfördermaschine mit einem Trommeldurchmesser von neun Metern montiert. Schacht 2 diente als Ausziehschacht für die Fettkohlenflöze des Nordfeldes.


Ansicht der Zeche Oberhausen etwa im Jahre 1911 (aus: Arnold Woltmann und Friedrich Frölich, Die Gutehoffnungshütte Oberhausen Rheinland, Düsseldorf 1910)


An der Schüttelrutsche, etwa 1930
(© Fotoammlung Barz/Berg)


Ab dem Jahr 1907 wurden auf dem Bergwerk weitere erhebliche Umbaumaßnahmen durchgeführt. Zunächst wurde im Schacht 1 der Schachtausbau erneuert. Die alte aus den 1850er Jahren stammende 4 ½ Fuß dicke Mauerung und der alte Holzausbau wurden gegen eine neue Schachtmauerung und stählernen Innenausbau ausgetauscht. Um den hohen Bedarf an Ziegelsteinen zu decken, wurde schon 1898 eine Ringofenziegelei auf der Zeche Oberhausen errichtet, die jährlich etwa 4,5 Millionen Steine erzeugte. Am 30. Mai des Jahres 1908 ging dabei Schacht 1 zu Bruch, mußte verfüllt und bis zur 7. Sohle neu abgeteuft werden. Der Malakowturm wurde abgebrochen und durch ein Fördergerüst mit Schachthalle in Stahlfachwerkkonstruktion ersetzt. Im Jahr darauf ging der Schacht wieder in Betrieb und wurde weiter geteuft. Im Jahr 1910 wurde die 8. Sohle in einer Teufe von 709 Metern angesetzt. Auf Schacht 3 waren zwei Hauptfördermaschinen aufgestellt und eine elektrisch betriebene Hilfsfördermaschine. Diese Koepe-Fördermaschinen konnten bis zu 3000 t in 16 Std. fördern bei selbsttätigem Zu- und Ablauf der Wagen. Der Schacht wurde pünktlich zum hundertjährigen Firmenjubiläum der GHH fertiggestellt.


Liste der aufgestellten Fördermaschinen auf der Zeche Oberhausen etwa im Jahre 1911
(aus: Arnold Woltmann und Friedrich Frölich, Die Gutehoffnungshütte Oberhausen Rheinland, Düsseldorf 1910)

Im Jahr 1911 wurde beschlossen, nach dem Zubruchgehen von Schacht 1, Schacht 2 aus Sicherheitsgründen teilzuverfüllen und ab einer Teufe von 145 Metern neu abzuteufen. Im Jahre 1912 ging Schacht 2 ab der 7. Sohle wieder in Betrieb. In diesem Zeitraum wurde auch die neue Toranlage mit Markenkontrolle erbaut.

Da auf dem Bergwerk inzwischen verstärkt Magerkohlen gefördert wurden, wurde es erforderlich, eine Brikettfabrik zu bauen, diese wurde am 1. Oktober des Jahres 1907 in Betrieb genommen.


Ansicht der Zeche Oberhausen nach dem umfassenden Umbau 1910. Links im Bild das Fördergerüst Schacht 1,
in der Bildmitte das Kesselhaus mit Kamin, rechts im Bildhintergrund die Aufbereitung und Brikettfabrik
(aus: Arnold Woltmann und Friedrich Frölich, Die Gutehoffnungshütte Oberhausen Rheinland, Düsseldorf 1910)



Brikettierung.

Die Brikettfabrik hatte zwei Produktionslinien, mit denen Magerfeinkohlenbriketts mit einem Gewicht von drei und sieben Kilogramm hergestellt werden konnten.
F ür die Brikettierung war sowohl Hartpech notwendig als auch Feinkohle mit einer Korngröße unter 10 mm. Das Hartpech wurde von der Teerdestillation in Holzfässern angeliefert. Nach der Lieferung wurden die Fässer von dem Pech heruntergeschlagen und das Pech mit Hämmern vorzerkleinert. Mit Schubkarren wurde es in den Pechkeller gebracht. Zur Verwendung in der Brikettfabrik mußte das Pech im Brecher grobzerkleinert und im Pechknackwerk feinzerkleinert werden. Danach wurden die Kohle und das Pech in einem Verhältnis 6,5% Pech gemischt. Das vermischte Brikettiergut wurde zur Wärmebehandlung zum Wärmofen transportiert in dem sich ein drehender Teller und ein Rührwerk befanden. Eine Transportschnecke führte die erwärmte Masse anschließend der Presse zu. Diese Presse war eine von Schüchtermann & Kremer, Dortmund, gebaute Couffinhal-Presse. Diese in Westfalen verbreitetsten Pressen arbeiteten mit zweiseitiger Pressung. D. h. das Brikettiergut wurde in die Mulde des Formtisches gefüllt und dann zwischen die Druckstempel gebracht, die mit einem Preßhebel verbunden sind. Anfänglich wurde die Pressung nur von dem oberen Stempel ausgeübt, während der untere in Ruhestellung verblieb. Erst nachdem die Brikettmasse dem weiteren Zusammendrücken einen gewissen Widerstand entgegensetzte, wurde das Brikett auch von unten gepreßt mit einem Druck von 180 kg pro qcm. Die fertigen Briketts verblieben noch eine halbe Formtischumdrehung in ihrer Form bevor sie von dem Ausstoßstempel automatisch ausgestoßen wurden. Fehlbriketts wurden von Hand aussortiert. Eine solche Presse lieferte etwa in der Minute 28 Briketts.


Grundriß und Querschnitt durch die Couffinhal-Presse (© Sammlung Barz/Berg)


Ansicht der Brikettfabrik, um 1910. (© Fotosammlung Barz/Berg, aus dem Nachlaß Peter Berg)

Die Zeche förderte aber auch weiterhin Fettkohle, daher mußte die Aufbereitungsanlage modifiziert werden. Mittels zweier Systeme wurden die Mager- und die Fettkohlen getrennt aufbereitet. Jedes System konnte pro Stunde 75 Tonnen Kohlen aufbereiten. Die Fettkohle wurden zur Zeche Vondern transportiert und dort verkokt. Sowohl die Aufbereitung, Wäsche als auch die Brikettfabrik wurden von der Firma Schüchtermann & Kremer in Dortmund errichtet.
Die Wasserhaltung wurde ebenfalls modernisiert. Auf der 7. Sohle wurden Kreiselpumpen mit elektrischem Antrieb anstelle der übertägig installierten Gestängewasserhaltung installiert. Jede dieser zwei Turbopumpen hatte eine Förderleistung von drei Kubikmetern Grubenwasser pro Minute. Die alte Gestängewasserhaltung wurde, nachdem sie noch einige Monate als Reserve vorgehalten wurde, in der nachfolgenden Zeit demontiert. Die Wasserhaltung diente nun als Zentralwasserhaltung für die drei Zechen Oberhausen, Osterfeld und Vondern.


Lageplan der Tagesanlagen, etwa im Jahre 1911 (aus: Arnold Woltmann und Friedrich Frölich,
Die Gutehoffnungshütte Oberhausen Rheinland, Düsseldorf 1910)


An der Hängebank, etwa 1930
(© Fotosammlung Barz/Berg)

Mit Ausbruch des Ersten Weltkrieges wurden viele junge Bergleute zum Kriegsdienst einberufen. Waren bei Ausbruch des Ersten Weltkrieges noch 2336 Bergleute auf dem Bergwerk bei einer Förderung von 651.000 Tonnen Steinkohle reduzierte sich im ersten Kriegsjahr die Untertagebelegschaft um annähernd 1000 Bergleute. Um die Förderung weitestgehend aufrecht erhalten zu können, legte dich Zechenleitung Bergjungarbeiter unter 16 Jahren an. Die Bergbehörde genehmigte aufgrund der Umstände diese Maßnahme. Mitte der 20er Jahre waren wieder 1667 Bergleute auf dem Bergwerk beschäftigt und es wurden 379.214 Tonnen Steinkohle gefördert.

Im Jahre 1918 ereigneten sich Auseinandersetzungen zwischen Freikorps und Streikenden, die später die "Blutweihnacht" genannt wurde. Zu dieser Zeit verstärkten Hunger und Entbehrung zusammen mit der Enttäuschung über die militärische Niederlage demokratische und sozialistische Bestrebungen im Deutschen Reich. Am 27. Dezember 1918 begaben sich streikende Bergarbeiter aus Hamborn und den umliegenden Zechen auf einen Protestmarsch zur Zeche Oberhausen um deren Solidarität zu gewinnen. Im Kugelhagel der von Direktion der Gutehoffnungshütte herbeigerufenen Freikorps, die später durch eine Essener Matrosenkompanie unterstürzt wurden, starben zwei Bergarbeiter. Die Bergarbeiter ihrerseits holten sich Unterstützung durch die Hamborner Arbeiterwehr. Die Gefechte forderten auf beiden Seiten zwei Todesopfer.


Arbeiten mit dem Abbau-hammer
(© Fotosammlung Barz/Berg)


Was für eine Maloche...
(© Fotosammlung Barz/Berg)

Die Produktivität der Bergwerke war nach dem Ersten Weltkrieg stark gesunken, daher wurde die Mechanisierung der Abbaubetriebe auf Zeche Oberhausen vorangetrieben. Ab dem Jahr 1924 kamen moderne Schrämmaschinen und Abbauhämmer zum Einsatz.

Übertage wurden die Kleinbetriebe in Schachtnähe zusammengefaßt und in einem großzügig gestalteten Werkstattgebäude untergebracht. So war eine übersichtlichere, strukturiertere Anordnung der Arbeitsstellen und leichtere Aufsichtsführung gewährleistet. Die Anzahl der Handwerker konnte so um 30 % reduziert werden.

Diese Rationalisierungsbestrebungen gingen einher mir einer durch die Weltwirtschaftskrise bedingten sinkenden Kapazitätsauslastung. Ernste Absatzschwierigkeiten machten der Zeche Oberhausen zu schaffen. Daher entschloß sich die GHH das Bergwerk am 31. März des Jahres 1931 stillzulegen. Diese Zeit war von gravierenden Beschäftigungsproblemen gekennzeichnet: waren im Jahre 1925 im Ruhrbergbau noch 459.876 beschäftigt, waren um 1930 etwa 120.000 arbeitssuchend. Die Kohlenförderung sank von 104,3 Mio. t im Jahre 1925 auf 85 Mio t im Jahre 1930.

Das Baufeld der Zeche Oberhausen wurde der Zeche Osterfeld zugeschlagen. Die Brikettfabrik blieb weiterhin in Betrieb und wurde erst am 29. April 1950 stillgelegt. Auch die Wasserhaltung wurde als Zentralwasserhaltung für die Zechen Vondern, Osterfeld und Roland beibehalten. Die Schächte 1 und 2 blieben daher zunächst offen außer Wetterschacht 3 "Kattendahl" im Südfeld wurde hingegen im Jahr 1932 verfüllt und die Übertageanlage abgerissen.


Die Werkstattgebäude von 1922 im Januar 2014
(© Fotosammlung Barz/Berg)


Die Torhausanlage von 1911/12 im Jahre 2014. Wo sich früher der Pförtner
mit der Markenkontrolle, der Sanitätsdienst, Feuer- und Grubenwehr befand
ist nun ein Hostel beheimatet
(© Fotosammlung Barz/Berg)


Schaubergwerk.

Das 125jährige Jubiläum hatte die GHH zum Anlaß genommen, das Bergwerk zu einem Schaubergwerk mit einer großen Werksausstellung umzubauen. In mehreren Hallen der Übertageanlage konnten Musterstücke von Erzeugnissen, Modelle und Großfotos betrachtet werden. Ein kleines Terrassencafé befand sich über Schacht 1 und auf der 7. Sohle (609 m) ein kleines Untertagekino mit 100 Sitzplätzen. Ferner konnten dem Besucher untertage mit betriebsfähigen Ausrüstungen alle Arbeitsgänge zum Abbau und zur Förderung der Kohle gezeigt werden ähnlich dem heutigen Anschauungsbergwerk "Deutsches Bergbau-Museum" in Bochum.

Im Zweiten Weltkrieg diente das Schaubergwerk auch als Lager für Bekleidung, Lebensmittel und wichtige Akten. Das Schaubergwerk wurde aufgrund der Kriegssituation 1942 geschlossen. Nur die Wasserhaltung wurde aufrecht erhalten.

Im Jahre 1950 wurde das Schaubergwerk mit Kino wieder eröffnet jedoch ohne Werksausstellung. Nur einige Jahre später erfolgte jedoch wieder die Schließung, obwohl 1958 noch 16.700 Personen das Schaubergwerk besucht hatten. Am 1. Oktober 1959 wurden die Tore für immer geschlossen.

Im November 2011 stießen Bauarbeiter beim Ausheben einer Baugrube für einen Getränkemarkt auf Fundamente ehemaliger Kellerräume der Zeche Oberhausen.
(© WAZ derwesten.de)

Kurze Zeit später wurden die Tagesanlagen abgerissen, wie die WAZ vom 17. Januar 1961 zu berichten weiß. Auch die beiden Schächte wurden umgehend verfüllt, da die umliegenden Bergwerke Osterfeld, Jacobi und Sterkrade (Zeche Roland und Vondern sind bereits stillgelegt) über ausreichende Wasserhaltungen verfügten. Nur die Tor- und Verwaltungsgebäude sowie das Werkstattgebäude von 1922 sind Zeugnisse der ersten Hüttenzeche des Ruhrgebiets … und einige Fundamente, die unter dem Getränkemarkt "trinkgut" schlummern. Diese Überreste ehemaliger Kellerräume wurden im November 2011 von Arbeitern beim Ausheben der großen Baugrube entdeckt. Der Verlauf der Mauern ist durch dunklere, andersfarbige Doppel-T-Verbundpflastersteine gekennzeichnet. Der ursprüngliche, geflieste Boden ist nicht sichtbar.

Quellennachweis:
  1. Bücher, Fritz: 125 Jahre Geschichte der Gutehoffnungshütte 1810-1935, Oberhausen 1935
  2. Friedrich Frölich, Arnold Woltmann: Die Gutehoffnungshütte Oberhausen, Rheinland. Zur Erinnerung an das 100jährige Bestehen 1810-1910. Düsseldorf 1910
  3. Gutehoffnungshütte. Aktienverein für Bergbau- und Hüttenbetrieb Oberhausen. Bericht aus Anlaß ihres 25jährigen Bestehens 1873-1898, Düsseldorf o.J. (1898)
  4. Werden und Entwicklung der Gutehoffnungshütte: Oberhausen, Rheinland, Gutehoffnungshütte (Hrsg.), A. Wohlfeld (Druck), 1938
  5. Königliche Oberberg- und Baurathe Schönfelder: Die baulichen Anlagen auf den Berg-, Hütten- und Salinenwerken in Preussen: Band 2, Berlin 1862
  6. http://www.derwesten.de/staedte/oberhausen/makellose-maschinenhalle
  7. diverse Unterlagen aus Privatsammlung Barz/Berg


© Michaela Berg

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Der Autor dankt Dirk Hellmann, Bottrop.
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